#1 Grundlageninfo: Ethanol-Betrieb von Ingo.FT 03.02.2008 23:49

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Zunächst einmal: Was ist Ethanol-Kraftstoff?

Ethanol wird aus vergorenen Pflanzen gewonnen.
Ethanol ist ein Alkohol. Alkohole gelten als höherwertige Kraftstoffe im Vergleich zu normalem Benzin, siehe auch Motorsport wie z.B. Dragster.
Höherwertig sind sie deshalb weil sie so gut wie rückstandslos verbrennen, viel höhere Oktanzahlen aufweisen als Benzin (normalerweise über 110 ROZ) und aufgrund wesentlich höherer Verdampfungsneigung für eine sehr gute Innenkühlung sorgen (wichtig speziell bei unseren Turbomotoren). Darüber hinaus sind die Abgaswerte deutlich umweltfreundlicher im Vergleich zu normalem Benzin.
Ethanol für Ottomotoren wie es zunehmend an Tankstellen zu bekommen ist, ist eine Mischung aus Ethanol und Benzin. Die Zahl gibt dabei das prozentuale Verhältnis vom Ethanol im gesamten Kraftstoff an; z.B. E85 bedeutet 85% Anteil Ethanol während die restlichen 15% Benzinanteile sind.



Schweden ist Vorreiter:

In Schweden erfreut sich E85 bereits seit geraumer Zeit großer Beliebtheit. Dies ist der Fall weil es in großem Maße steuerbegünstigt ist, somit rechnet sich das Fahren mit E85. Doch auch bei uns rechnet sich der Ethanol-Betrieb immer mehr angesichts der steigenden Benzinpreise. Allerdings in viel geringerem Maße als in Schweden.



Was bedeutet Fahren mit Ethanol beim normalen Ottomotor?

Eines der großen Nachteile ist der Kaltstart, unter anderem wegen der Verdampfungskälte. Ab Temperaturen unter 5°C wird der Kaltstart richtig problematisch. Hierbei hilft nur eine größere Beimischung von Benzin (z.B. E50-Betrieb), eine Standheizung oder Kraftstoff-Vorwärmung sowie Ansaugrohr-Vorwärmung.

Ein weiterer Nachteil ist der höhere Kraftstoffbedarf aufgrund des geringeren Heizwertes. Erfahrungswerte zeigen, dass im E50- und E85-Betrieb etwa 20-30% Mehrverbrauch einkalkuliert werden müssen. Dieser Mehrverbrauch kann nicht allein durch die Motorsteuerung kompensiert werden. Eine saubere Ethanol-Umrüstung bedeutet nahezu immer wie Verwendung von Einspritzventilen mit größeren Durchsatz! Es gibt allerdings auch Umrüstsätze. Moderne Fahrzeuge können teilweise beim Tuner eine Ethanol-Umrüstung erhalten wie es beispielsweise BSR für die neuen Saab-Modelle anbietet.

Noch ein Problem: Die meisten Gummi- und Kunstoffteile werden von Alkoholen angegriffen.

Die Umrüstsätze enthalten: Resistente Gummi- und Kunstoffteile zum Austausch gegen die originalen Bauteile, eine Kaltstarteinrichtung , und ein Vorschaltgerät, welches die Öffnungszeiten der Einspritzventile verlängert. Leider halten nur die wenigsten in der Praxis das, was sie versprechen.



Zwangsbeimischung von Ethanol zum regulären Benzin:

Im vorliegenden und geplanten Mischverhältnis von 5-10% Ethanol zum Benzin sind was die Materialien anbelangt (Elastomere) höchstens mittelfristig Probleme zu erwarten. Angeblich sollen bis zu 15 % Beimischung kein Problem darstellen.
Allerdings gibt es Versuchsfahrzeuge die mit Seriendichtungen bereits seit einiger Zeit im E85-Betrieb laufen und bislang keinerlei Probleme zeigen. Man wird also abwarten müssen, es notfalls "riskieren".
Volvo gibt offiziell alle Fahrzeuge ab der 740-Baureihe für E10-Betrieb frei. Was die 240er-Modelle angeht ist ungewiss, auch ob die Vergaser- und K-Jetronik-Varianten der 700er-Baureihe wirklich E10-verträglich sind, lässt sich der Werksfreigabe nicht eindeutig entnehmen. Zumindest die elektronischen Einspritzanlagen vertragen E10 problemlos.



Zum Abschluss etwas zum darüber nachdenken:

Ob der Ethanol-Betrieb wirklich so problematisch ist, wie die Volkshysterie es im Moment einem jeden Autofahrer glauben machen möchte, ist fraglich.
Beispielsweise wird seit vielen Jahren in Brasilien mit E100 gefahren. Ohne teure Umrüstungen. Und nicht mit den neusten Motoren.
Ob es natürlich so weit gehen sollte, dass Regenwälder abgeholzt werden, um auf der Fläche Rüben anzubauen die man später zur Ethanol-Gewinnung verwendet, das ist die andere Frage. Aber die Geschichte zeigt, dass das von der Drogenmafia und Drogenkartellen im Besitz befindliche Südamerika auch die Regenwälder abgeholzt hat als noch keine hohe Ethanol-Nachfrage vorlag. Wenn jetzt ein paar Leute deshalb auf Ethanol-Betrieb verzichten, wird sich im brasilianischen Regenwald die gleiche Auswirkung zeigen wie zu Zeiten der Anti-Teakholz-Mobilmachungen - nämlich garkeine.
Und wer einem Landwird unterstellt, er würde seine Felder auf Monokultur umstellen, nur um vielleicht ein paar Euros mehr aus dem Endprodukt zu ziehen weil es optimal für die Ethanolherstellung ist, der sollte sich zunächst einmal damit beschäftigen was Agrartechnik überhaupt bedeutet und beinhaltet.
Und wer behauptet, dass wegen der Ethanol-Produktion die Lebensmittelknappheit steigt, der soll sich mal in aller Ruhe die Lebensmittelvernichtungsaktionen von Überschusswaren der EU ansehen bevor er weit seine Klappe aufreißt.

In Diesem Sinne...
#2 Re: Grundlageninfo: Ethanol-Betrieb von Andreas960 13.02.2008 07:02

Wie bereits erwähnt, habe ich mal aus "Geiz ist geil"-Gründen meinen 765tic seinerzeit mit E50 betankt. Das war im letzten Winter und die ersten 10min lief er wegen der erwähnten besseren Innenkühlung wie ein Sack Nüsse, weil er ums Verrecken nicht warm wurde (Kängurusprit!!!). Außerdem ist mein Verbrauch von 10ltr auf 14(!)ltr hochgegangen!

Nix gespart und lesson learned!
Andreas960
#3 RE: Re: Grundlageninfo: Ethanol-Betrieb von vwoldie 26.09.2013 10:59

.. und ich hab von der "Quelle", dem landwird, der es erzeugt, gereinigt/entwässert E100 fürn Euro den Liter getestet. 20 Liter Kanister in den Volvo 164E gekippt, Zündung 5 Grad früher gestellt.... Rennmaschine!
Aber die Gummischläuche??? War ja nur ein Test.

Wieviel % kann man den Saugern (960 II 2.5 ) beimischen? Gehen 30% ? Kann man etwas in der Zündanlage ändern?
LG Jörg

#4 RE: Re: Grundlageninfo: Ethanol-Betrieb von Ingo.FT 06.10.2013 15:47

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Zündwinkel beim 960-II (Motronic) kann man nicht mehr ohne Softwareupdate ändern so wie noch beim 940 mit LH+EZK. Und nein, ich habe keine Quelle für ein Softwareupdate für den 960. Es gab in den 90ern mal etwas von SAM, k.A. ob man das noch bekommt, im Zweifelsfall anfragen...
Ich halte 30% Beimischung ohne el./mech. Eingriffe für grenzwertig, würde mich langsam mal mit E15, dann vielleicht E20 oder sogar E25 an die Grenze heran tasten wo er mit dem orig. Kennfeld noch sauber läuft. Du kannst zwar in Schweden entsprechende Adapter kaufen, nur die Kosten dafür holst Du im Ethanol-Betrieb durch den nur etwas günstigeren E50- oder E85-Sprit lange nicht rein. Bei E20-E30 sparst Du effektiv 10-15€ pro Tankfüllung wenn wir Deinen Landwirt-Sonderpreis heran ziehen und keine Änderung am Fahrzeug dafür notwendig sind. Wenn der grad um die Ecke wohnt ist das praktikabel, nur wenn der 20km weit weg wohnt relativiert sich die Ersparnis ganz schnell gegen null, weil Du ja die effektiven Kilometerkosten rechnen musst und nicht nur den Sprit den Du für die 20km hin und zurück brauchst.

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